18.09.13 17:57

Aufwendungen für ein Arbeitszimmer

Gehört zum Arbeitszimmer auch eine Toilette?

Es gibt ja Leute, die haben eine feste Anstellung, aber keinen festen Arbeitsplatz. Als Beispiel dafür, gelten zwei Berufsgruppen, die das Thema Arbeitszimmer immer wieder in der Öffentlichkeit halten. Zuerst ist die Berufsgruppe der Lehrer zu nennen, die zwar im Lehrerzimmer sicherlich einen festen Stammplatz haben, aber ein richtiger Arbeitsplatz, also mit Rollcontainer, Computer und Locher, ist das nicht. Somit verfügen die Lehrer oftmals zu Hause über ein eigenes Zimmer, in dem sie in aller Ruhe die Klassenarbeiten kontrollieren können. Das zweite Beispiel für eine Berufsgruppe sind die Richter. Im Richterzimmer hängt die berufsübliche Kleidung und im Gerichtssaal sitzen sie so, dass sie niemand übersehen kann. Die entscheidenden Gedanken und Niederschriften werden aber zu Hause erledigt.

 

Diese beiden als Beispiel genannten Berufsgruppen haben eine Sache gemeinsam: Im typischen Berufsbild vor einem geistigen Auge sieht man beide in der Schule bzw. im Gericht, die wichtige Vorbereitungsarbeit wird aber zu Hause erledigt, weil im Dienstgebäude kein eigener Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Für diese Fälle hatte das Gesetz vorsehen, dass die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer bis zu einem Betrag i. H. v. 1.250,00 Euro bei der privaten Einkommensteuer berücksichtigt werden können. Obwohl im Deutschen Bundestag bekanntlich neben den Rechtsanwälten die Lehrer sehr stark vertreten sind, wurde für das Jahr 2008 vom Gesetzgeber beschlossen, dass genau diese 1.250,00 Euro nicht mehr als Kosten berücksichtigt werden können. Daraufhin sammelte sich – besonders bei unseren beiden Beispielberufsgruppen – der Widerstand und das Bundesverfassungsgericht wurde gefragt, ob das alles so rechtens sei. Das Bundesverfassungsgericht antwortete: Nö, natürlich nicht. Und so wurde rückwirkend die Steuerkürzung aus dem Gesetzestext gestrichen.

 

Von der beschriebenen Variante des häuslichen Arbeitszimmers muss man noch den Fall unterscheiden, bei dem das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung darstellt. Das heißt, der Beruf wird unmittelbar von zu Hause aus ausgeführt. In diesem Fall können nicht nur die 1.250,00 Euro je Jahr, sondern es können die gesamten anfallenden Kosten bei der Steuer berücksichtigt werden. Aus naheliegenden Gründen ist diese Variante allerdings weniger bei Arbeitnehmern und vielmehr bei selbstständigen Unternehmern anzutreffen.

 

In einem Fall, der bei einem Finanzgericht landete, kennt sich der Kläger mit Steuern aus, denn er arbeitet als Betriebsprüfer im Finanzamt. Allerdings ist es so nicht zutreffend, denn die meiste Zeit seiner Arbeit hält er sich entweder bei den Unternehmen auf, die es zu prüfen gilt oder zu Hause, wo er auch an den Prüfungsfällen arbeiten darf. Der Prüfer darf zu Hause arbeiten, er muss aber nicht, denn im Finanzamtsgebäude steht ihm ein eigener Arbeitsplatz zur Verfügung. Im bewussten Jahr 2008 entschied sich der Finanzbeamte seine Wohnung hübsch zu machen und weil aus Gründen, die nicht überliefert sind, plötzlich ein Zimmer übrig war, entschied er sich, diese künftig als Arbeitszimmer zu nutzen. Der renovierte Teil der Wohnung war insgesamt 70,1 m² groß. Hiervon entfielen 16,97 m² (24,2 %) auf das Arbeitszimmer und 4,17 m² (5,95 %) auf eine separate Toilette. Das Gäste-WC liegt unmittelbar neben dem Schlafzimmer. Der Betriebsprüfer  verfolgte bei seiner eigenen Steuererklärung offenbar das Prinzip, alles oder nichts. Jedenfalls reichte er nach reichlicher Überlegung im Januar 2011 seine Einkommensteuererklärung 2008 bei seinen Kollegen ein und beantragte für das Arbeitszimmer und auch für das Gäste-WC nicht nur die anteiligen laufenden Kosten, sondern auch die Kosten für die Renovierung beider Räume. Das Finanzamt war erst einmal nett und erkannte beim ersten Bescheid die Aufwendungen für das Arbeitszimmer i. H. der begrenzten 1.250,00 Euro an. Weil sich der Kläger offenbar so viel Mühe mit der Renovierung und dem Berechnen des Gäste-WCs gegeben hatte, war er mit dem Bescheid nicht einverstanden und legte Einspruch ein. Daraufhin fiel auch dem Finanzamt auf, dass die anerkannten 1.250,00 Euro schon zu viel waren und reagierte gesetzesgemäß mit der Belehrung an den Herrn Kollegen, dass demnächst eine Entscheidung gefällt werden könnte, die noch „böser“ sein könnte, als der erste Bescheid. Weil er auch dann die Drohung in den Wind schoss, ging er mit dem verböserten Bescheid zum Finanzgericht.

 

Das nun vorliegende Urteil des Finanzgerichtes von Baden-Württemberg ist weniger interessant wegen der Feststellung, dass er kein steuerlich anerkanntes häusliches Arbeitszimmer hat. Das war von vorherein völlig klar, denn seinen Mittelpunkt der gesamten Betätigung, also der Ort, an dem er die Handlungen vornimmt, die für einen deutschen Betriebsprüfer wesentlich und prägend sind, befindet sich beim Steuerpflichtigen in der Firma oder im Finanzamtsgebäude, aber mit Sicherheit nicht in seiner gemütlichen Wohnung.

 

An diesem Fall ist die Beantwortung der Frage spannend, ob die Gästetoilette bei der Steuer mitberücksichtigt werden kann. In voller Höhe, so sagt das Gericht, ist das jedenfalls nicht möglich, weil der direkte Bezug zur beruflichen Tätigkeit fehlt. Auf die Möglichkeit der anteiligen Nutzung der Toilettenkosten geht das Gericht allerdings nur wenig und insoweit auch eher ablehnend ein.

 

Der klagende Finanzbeamte versuchte aber wirklich alles, um seine Ideen zur Auslegung des Steuerrechtes doch noch durchsetzen zu können. Als Beleg dafür möchten soll an dieser Stelle ein kleines Stück aus der Urteilsbegründung zitiert werden: „Die Argumentation des Klägers, die Toilette sei ja gerade kein Arbeitszimmer und daher in voller Höhe abzugsfähig, geht nach Auffassung des Senat fehl. Eine getrennte Beurteilung der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer und die häusliche Toilette wäre nun nach Auffassung des Senats sinnwidrig.“