01.03.13 20:04

Private Nutzung des Firmen-Fahrrades

Behandlung wie ein Auto

Es wird ja immer wieder davon berichtet, dass Radfahrer gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern benachteiligt werde. Hier können wir Ihnen von einer Gleichstellung im Bereich des Steuerrechts berichten, allerdings darf offen gelassen werden, ob sich darüber eine große Begeisterung ausbreiten wird.

 

Ohne Zweifel kann ein Fahrrad ein Bestandteil des Betriebsvermögens einer Firma sein. Tatsache ist ebenfalls, dass ein „ordentlicher“ Drahtesel auch ordentlich Geld kosten kann.

 

Für Autos gibt es in Deutschland wirklich unzählige Verordnungen, Richtlinien, Verwaltungsanordnungen und Rechtsprechungen wie die Angelegenheit steuerlich zu würdigen ist, wenn ein Arbeitnehmer mit dem Firmenwagen auch privat durch die Landschaft fahren kann und darf. Nunmehr haben sich die obersten Finanzbehörden der Bundesländer intensiven Beratungen zu der Einsicht durchringen können, dass Fahrräder im Prinzip wie Autos zu behandeln sind.

 

Durch den Verwaltungserlass ermittelt sich der Wert der privaten Nutzung der Tretautos mit 1 % der auf volle 100 Euro abgerundeten unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers, Importeurs oder Großhändlers im Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Fahrrads einschließlich der Umsatzsteuer festgesetzt. Wie beim Pkw kommt es also nicht darauf an, wie viel man bezahlt hat, sondern welche Zahl im bunten Katalog gestanden hat. Somit gelangen wir hier zur ersten Feststellung, dass man diese wichtigen Geschäftsunterlagen künftig ebenfalls aufheben sollte.

 

Gegenüber der Auto-Nutzungs-Besteuerung besteht allerdings der Unterschied, dass mit dem einen Prozent alle möglichen Facetten einer außerbetrieblichen Nutzung abgegolten sein sollen, also einschließlich der Privatfahrten, der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und natürlich auch die Heimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung. Allerdings darf man wohl davon ausgehen, dass insbesondere die letzte Variante ausgesprochen selten zur Anwendung gelangen sollte.

 

Ohne die Hinweise der Finanzverwaltung hat der Steuerfachmann dieses Thema eher ausgeklammert. Das liegt aber nicht daran, dass man gern schwierigen Themen lieber aus dem Wege geht, vielmehr bestand die weitverbreitete Auffassung, dass der etwaige Nutzungsvorteil mit dem monatlichen Freibetrag für Sachbezüge in Höhe von 44 Euro abgegolten ist. Der Erlass sagt aber ausdrücklich, dass das nicht der Fall wäre. Ob das wirklich so ist, wird sicherlich mal ein Finanzgericht klären müssen.

 

Zweifellos war der Anlass für diese Regelung gut gemeint. In der praktischen Umsetzung zeigen sich allerdings schnell Unklarheiten, die nun wieder neu geregelt werden müssten. Stellen Sie sich beispielsweise einen Fahrradkurier vor, der nach seinem Dienst am Abend mit dem High-Tech-Fahrrad nach Hause radeln darf. Da nicht verständlich ist, warum er so benachteiligt werden sollte, muss es eine Alternative geben. Dies könnte nur ein Fahrtenbuch sein, aber wenn das Fahrrad keinen Tacho hat, dann wird es schwierig, ein lückenloses Fahrtenbuch zu führen…

 

Schlussendlich kann man sich die Frage stellen, ob es nicht besser ist, mit dem privaten Fahrrad die dienstlichen Aufgaben zu erledigen. Hier kann man sich nämlich noch immer für jeden gestrampelten Kilometer 5 Cent unversteuert vom Arbeitgeber erstatten lassen.